Poetry Slam?

Was ist Poetry Slam?

Poetry Slam, zu Deutsch etwa Dichterwettkampf, ist ein Veranstaltungsformat. Es handelt sich dabei um einen literarischen Vortragswettbewerb, in dem selbstgeschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden. Dabei dürfen außer der eigenen Stimme, dem eigenen Körper und einem Mikrofon keine weiteren Hilfsmittel verwendet werden. Die Vorträge werden vom Publikum bewertet, das damit auch die SiegerInnen kürt. Inhaltlich und formal gibt es außer der Zeitbegrenzung (in der Regel 5 Minuten) keinerlei Vorgaben. Von Lautpoesie über Lyrik bis Prosa, vom Sonett über Rap bis zur Kurzgeschichte ist alles erlaubt. Häufig werden sehr persönliche Anliegen künstlerisch verarbeitet. Die Teilnahme an einem Slam steht in der Regel jedem frei. Es gibt keine Alters- oder sonstigen Beschränkungen.

Ursprung des Poetry Slam

Dichterwettbewerbe sind in der Grundidee nichts Neues, bereits im 13. Jahrhundert gab es den Sängerkrieg auf der Wartburg. Die Idee des Poetry Slam in seiner heutigen Form wird dem amerikanischen Performance-Poeten Mark Kelly Smith aus Chicago zugeschrieben, der herkömmliche Dichterlesungen langweilig fand und Literatur attraktiver für das Publikum gestalten wollte. Nach dem Ausprobieren verschiedener Veranstaltungsformen erwies sich das Format des Poetry Slam 1986 als erfolgreich und breitete sich von Chicago aus schnell über Nordamerika aus. Dass durch den Event-Charakter eine Popularisierung und letztlich auch Kommerzialisierung des Formats stattfindet, war nicht im ursprünglichen Sinne des Erfinders: Smith ging es nach eigenen Angaben primär um eine Demokratisierung der Literatur. Das Publikum sollte aktiv angesprochen und einbezogen werden und selbst über die Qualität von Literatur entscheiden. Damit grenzte sich der Slam bewusst gegen die traditionelle Kunstelite ab und definierte sich als demokratische literarische Subkultur. Diese Ideologie bestimmt bis heute weitgehend das Selbstverständnis der AkteurInnen.
In Deutschland etablierte sich der Poetry Slam ab 1994 zunächst in Großstädten. 1997 wurde in Berlin zum ersten Mal eine deutsche Meisterschaft, der National Poetry Slam durchgeführt. Ab 1999 beteiligten sich auch Städte aus Österreich und der Schweiz, was 2001 zu einer Namensänderung in German International Poetry Slam (GIPS) führte.

Poetry Slam heute

Das Veranstaltungsformat Poetry Slam hat sich inzwischen weltweit ausgebreitet, mit einer guten virtuellen, aber auch persönlichen Vernetzung der AkteurInnen. Man besucht und unterstützt sich gegenseitig, lädt sich ein, auch über Landesgrenzen hinweg. Nach Amerika und Europa gibt es Poetry Slams inzwischen auch in Asien (Singapur, Bali), Afrika (Gabun), Neuseeland und Australien. Die Zahl der Veranstaltungsorte steigt weiterhin stark an. Im Jahr 2004 wurden erstmals Weltmeisterschaften veranstaltet. Außer dem Original gibt es inzwischen zahlreiche abgewandelte Formate: Themen-Slams, Slam-Shows, Science-Slams, Liedermacher-Slams, um nur einige zu nennen.

U 20

Als Besonderheit hat sich der U20-Slam etabliert. Neben eigenen Wettbewerben für unter 20-Jährige (2004 erstmals als eigene deutschsprachige Meisterschaften), ist mit dem Begriff eine rege Fortbildungs- und Workshoptätigkeit verbunden. Als lebendige Vermittlungsform eignet sich der Slam hervorragend, um SchülerInnen und junge Menschen für Literatur zu begeistern, die oft mit dem herkömmlichen Lehrstoff im Unterricht Schwierigkeiten haben. Fortbildungen für LehrerInnen und Workshops an Schulen werden in vielen Städten durchgeführt. Unter 20-Jährige die dabei ihre Dichterfähigkeiten entdecken, sind aber nicht auf die U20-Szene beschränkt. Sie können nach wie vor auch an allen anderen Poetry Slams teilnehmen.

Meisterschaften

Neben den Weltmeisterschaften haben die meisten Länder nationale Meisterschaften. In Deutschland finden sie seit 1997 regelmäßig statt, seit 2001 gemeinsam mit Österreich und der Schweiz im deutschsprachigen Raum. Die Szene selbst bestimmt die jeweiligen, wechselnden Veranstaltungsorte bei den jährlichen Slammastertreffen. Durch die stark anwachsende Zahl der Veranstaltungen (allein in Deutschland derzeit mehr als 130), wird die Organisation der Großveranstaltung mit fast 10.000 Zuschauern zunehmend schwieriger. Die TeilnehmerInnenzahlen beim National steigen beständig, so dass inzwischen zusätzliche Stadt- und Landesmeisterschaften eingeführt wurden. In 2009 fand erstmals eine hessische Meisterschaft in Marburg statt. Da sich keine andere hessische Stadt in der Lage sah, die Meisterschaften 2010 durchzuführen, richtete Marburg auch den Hessenslam 2010 aus. In 2011 wird nun Eschwege der Austragungsort sein.